08.12.2020

PM: Abnahmestau und Preisverfall: Lage für Schweinehalter spitzt sich zu

Die Situation für sächsischen Schweinehalter, das betrifft Züchter, Mäster und Sauenhalter gleicher- maßen, wird vor Weihnachten immer prekärer.

Die Abnahme von schlachtreifen und zum Teil schon übergewichtigen Mastschweinen in den Schlachtbetrieben ist derzeit nicht gewährleistet. „Wir stehen momentan vor einer Zerreißprobe,“ beschreibt Frank Bennewitz von der Erzeugergemeinschaft „Qualitätsfleisch“ Taubenheim w. V. die aktuelle Situation und kritisiert, dass derzeit nur 75 Prozent der wöchentlich angemeldeten Mastschweine in den Schlachtunternehmen abgenommen werden. Dies konnte aber nur erreicht werden, da die Abnahme von Schweinen für die Regionalprogramme annähernd gleichgeblieben ist. Übervolle Ställe und verzweifelte Landwirte sind jetzt die Folge. Die Gründe dafür sind schnell genannt. Einerseits kam es durch Corona zu vermehrten Krankheitsausfällen beim Schlachthof-Personal. Andererseits stieg nach dem Exportverbot infolge der Afrikanischen Schweinepest der personelle Zeitaufwand in der Weiterverarbeitung des Fleisches erheblich, da es für den inländischen Markt viel kleinteiliger zerlegt werden muss.

Doch nicht nur der sogenannte Schweinestau sind das Problem, sondern der zusätzliche enorme Preisverfall für deutsches Schweinefleisch. Der aktuelle Schlachtpreis für Schweine ist auf nur noch 1,19 Euro pro kg Schlachtgewicht (SG) abgestürzt. Das liegt deutlich unter den Produktionswert von circa 1,60 Euro pro kg SG. Das kann kein Mastschweinbetrieb noch länger durchhalten. Betroffen sind auch die Sauenhalter. Der Einbruch bei den Schlachtschweinepreisen zieht den Ferkelpreis extrem nach unten. Derzeit liegt er bei 22 Euro je 25-kg-Ferkel (200er Gruppe) und damit so tief wie noch nie. Allein die Herstellungskosten belaufen sich auf 50-55 Euro dieser Ferkel. Die Schweinehalter sind damit gleich doppelt gebeutelt und bringt viele Betriebe an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz. Einige erwägen bereits ganz auszusteigen. Das wäre auch das Ende der gesellschaftlichen Forderung nach mehr Tierwohl in deutschen Ställen, denn in anderen europäischen Ländern gelten weitaus weniger strenge Regeln wie in der deutschen Schweinehaltung. Das wird besonders bei Importferkeln deutlich, die, obwohl nicht unter den hohen deutschen Tierschutzstandard gewachsen, kommen nach der Einfuhr dennoch in das deutsche Qualitätssicherungssystem (QS-System). Dafür fehlt den Landwirten nicht nur in Sachsen jegliches Verständnis.

Die derzeit noch verbliebenen Schweinehalter in Sachsen fordern:
• Eine angemessene Entschädigung von Corona-bedingten Einkommensverlusten, wenn Mastschweine aufgrund unverschuldet verspäteter Abnahme im Schlachtbetrieb übergewichtig sind und damit erhebliche Abschläge beim Preis vorgenommen wurden.
• Analog muss eine Regelung für die Ferkelerzeuger erarbeitet werden, wenn diese im Zuge des Schweine-Staus nicht mehr abgenommen werden.
• Ab sofort hat die Bezahlung von übergewichtigen Schlachtschweinen mindestens zum Basispreis zu erfolgen.
• Schlachtkörper- und Fleischuntersuchung sind auch an Sonn- und Feiertagen abzusichern.
• Rahmenarbeitszeiten sowie zusätzliche Schichten an Sonn- und Feiertagen innerhalb des Schlachtbetriebes sind auszuweiten.
• Importierter Tiere, die nicht nach deutschen Tierschutzstandards erzeugt wurden, sind aus dem deutschen QS-System auszuschließen.

„Wir brauchen unverzüglich Maßnahmen, die tatsächlich greifen. Bestandteil muss auch eine geförderte Bestandsreduzierung sein. Ansonsten bleibt für die Schweinhalter als letzter Ausweg nur die Beantragung von Nottötungen bei den zuständigen Veterinärbehörden, da sonst die Tierschutzstandards in den übervollen Ställen nicht mehr eingehalten werden können. Dies zeigt die ausweglose Situation, in der sich unsere Schweinehalter momentan befinden,“ fasst Bennewitz abschließend zusammen.

Pressekontakt:
Diana Henke
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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