20.07.2020

PM: Kuh im Frauenmantel. Wie passen Landwirtschaft mit Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zusammen? Biologische Vielfalt in der Landwirtschaft bewahren und weiterentwickeln.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist neben den vielfältigen Funktionen der Landwirtschaft eine wichtige Aufgabe. Der Agrarbereich leistet schon jetzt einen großen Beitrag zur Biodiversität und wird diese Leistungen auch zukünftig sichern und weiterentwickeln. Darüber hinaus sollten bestehende Förderprogramme zu Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKM) ein nachhaltiges Instrument zur Erhaltung und Steigerung der biologischen Vielfalt im landwirtschaftlichen Bereich sein. Jetzt hat das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) einen "Entwurf der Umwelt-, Klima- und anderen Bewirtschaftungsverpflichtungen in der Förderperiode 2021 – 2027" vorgelegt, bei dem wir dringenden Handlungsbedarf sehen.

Deshalb hat der Sächsische Landesbauernverband e. V. (SLB) am 20. Juli 2020 zu einem Pressegespräch über die Gestaltung der zukünftigen AUKM in die Agrargenossenschaft Marbach e. G. eingeladen.

Hintergrund ist der zum einen noch immer fehlende Mehrjährige Finanzrahmen in der EU-Agrarpolitik und damit verbunden, fehlende Informationen für die einzelnen Interventionen. Des Weiteren ist eine klare Trennung der Ökomaßnahmen der 1. Säule (Eco-Schemes) und der Interventionen der 2. Säule in Folge des fehlenden Rechtsrahmens nicht ersichtlich.

Zum anderen die Vielzahl von Interventionen (53) im Entwurf des SMEKUL. „Eine solche Fülle von Maßnahmen erscheint wenig zielführend, da die vorhandenen Mittel auf noch mehr Interventionen verteilt werden. Viele kleinteilige Maßnahmen könnten dazu führen, dass eher weniger Landwirtschaftsbetriebe am zukünftigen AUKM-Programm teilnehmen“, so SLB-Präsident Krawczyk. „Mit einer deutlichen Straffung der zukünftigen Interventionen, auf Basis der bisherigen Erfahrungen, würde auch für zukünftige Interventionen eine höhere Akzeptanz und Teilnahme durch die Landwirte erreicht werden.“

Vizepräsident Gunther Zschommler weist auf die Bedeutung der ökonomischen Attraktivität für den Berufsstand hin. „Eine Forderung des Berufsstandes war es immer, neben dem betriebswirtschaftlichen Aufwand für die Durchführung der Maßnahme, einen zusätzlichen Anreiz in die Prämiensätze einzukalkulieren. Auch der Bundesrat erkennt im Rahmen einer Protokollnotiz die große Bedeutung der Schaffung eines Anreizes an. Es ist daher dringend geboten, die Erfahrungen der Praktiker in die Kalkulation der Prämien mit einfließen zu lassen.“

SLB-Präsident Torsten Krawczyk und Vizepräsident Gunther Zschommler erneuerten ihr Angebot an das SMEKUL und die Politik, dass sich der Berufsstand neben der Abgabe einer Stellungnahme zu den „Entwürfen der Umwelt-, Klima- und anderen Bewirtschaftungsverpflichtungen in der Förderperiode 2021 – 2027“ und einem Positionspapier hinaus, auch weiter aktiv in die Erarbeitung eines zukünftigen Agrarumwelt- und Klimaschutzprogramms einbringen möchte. Denn die wertvollen Erfahrungen der Landwirte zum Schutz der Artenvielfalt, weitergegeben über viele Generationen, haben in der Vergangenheit bei der Entwicklung von AUKM viel zu wenig Beachtung gefunden.

Bildunterschrift: Betriebsleiter Uwe Matthes von der Agrargenossenschaft Marbach e. G. bei der Sichtung der Kennarten auf seinem Grünland

Zum Hintergrund
Publikation: Artenreiches Grünland in Sachsen – Bestimmungshilfe für die Kennarten

Die Broschüre des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie stellt die Maßnahme der Förderperiode 2014-2020 vor und erläutert die Methode zur Beurteilung eines Grünlandschlages. Im Hauptteil werden alle Kennarten bzw. Kennartengruppen anhand von Zeichnungen, Fotos und Beschreibungen vorgestellt, die für die Förderfähigkeit artenreichen Grünlandes in Sachsen wichtig sind. Ergänzt wird die Broschüre durch den Kennartenfächer, in dem die Arten in Kurzform dargestellt sind. Durch sein handliches Format eignet er sich besonders für die schnelle Bestimmung der Kennarten vor Ort. Sie finden die Broschüre unter folgendem Link:

https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/19012

Pressekontakt:
Diana Henke
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 351 262536-19
Mobil: +49 172 3535262
E-Mail: diana.henke@slb-dresden.de

Die Pressemitteilung zum Download finden Sie hier:



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