23.04.2020

Schreiben zur Dürre von Präsident Torsten Krawczyk an die Vorsitzende des Agrarausschusses

Sachsens Landwirte brauchen Unterstützung wegen Dürre und Trockenheit

Sehr geehrte Frau Springer,

der aktuelle Witterungsverlauf sorgt bei uns Landwirten im Freistaat Sachsen für großes Unbehagen und wachsende Befürchtungen, ein drittes Jahr in Folge von Trockenheit und Dürre betroffen zu sein. Schon der "ausgefallene" Winter hatte keine ausreichende Feuchtigkeit in den Boden gebracht. Auf den leichten Standorten in Nord- und Ostsachsen waren nur geringe Niederschlagsmengen zu verzeichnen. Diese reichten nicht aus, um das massive Defizit aus den beiden Vorjahren auch nur annähernd zu kompensieren. Die Bodenwasservorräte reichten allenfalls, um die Ackerkrume leicht aufzufüllen.

Die aktuelle Wetterlage befördert eine weitere Austrocknung der oberen Bodenschichten. Gerade die im März und April ausbrachten Sommerungen aber auch die Futtergräser benötigen dringend Niederschläge, um wachsen zu können. Auch unsere Winterkulturen sind auf die Niederschläge angewiesen.

Der vom Mitteldeutschen Klimabüro (UfZ) Leipzig herausgegebene "Dürremonitor" verdeutlicht anschaulich den Verlauf des pflanzenverfügbaren Wassers im Oberboden. Demnach ist Sachsen von allen Bundesländern am stärksten von Trockenheit und Dürre betroffen. Laut Informationen vom Deutschen Wetterdienst ist keine kurz- und mittelfristige Änderung in der Großwetterlage zu erwarten. Auch zwischenzeitlich eintretende kleinräumige Niederschlagsereignisse werden an der Gesamtsituation in weiten Teilen Sachsens nichts ändern.

Wir Landwirte benötigen frühzeitig die Freigabe der EFA (Greening)- und AuK-Flächen für eine Nutzung zu Futterzwecken (Mahd und Beweidung) mit einer einfachen und unbürokratischen Lösung. Gerade auf den leichten Standorten Nord- und Ostsachsens ist schon heute ersichtlich, dass der wichtige erste Futterschnitt im Grünland sehr gering ausfallen wird. Nach zwei Jahren Trockenheit ist die Futterversorgung schon heute sehr angespannt. Wir Landwirte benötigen daher jegliche Grünlandflächen für eine Futternutzung. Im Falle einer unzureichenden Versorgung droht weiterer Tierbestandsabbau.

Bei einem weiteren Fortschreiten der Dürresituation im Freistaat Sachsen wird sich auch die ökonomische Lage in zahlreichen Agrarunternehmen zuspitzen. Es besteht die Gefahr, dass die Liquidität nicht mehr gesichert ist. Da wir bis heute, trotz mehrmaliger Beschlüsse in den Koalitionsverträgen, über keine Mehrgefahrenversicherung in Sachsen verfügen, sind wir in derselben Situation wie in den beiden letzten Jahren. Unsere Mitglieder benötigen ein entsprechendes Hilfsprogramm mit der Gewährung eines verlorenen Zuschusses und endlich eine Hilfe zur Selbsthilfe. Der Landwirtschaft kommt gerade in der aktuellen Krisensituation eine enorme Bedeutung bei der Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung zu.

Sehr geehrte Frau Springer,

damit wir mit Ihrer Hilfe frühzeitig einer solchen Situation entgegenwirken, möchte ich Sie schon heute für ein entsprechendes Hilfsprogramm für unsere Landwirte und die überfällige Einführung der Mehrgefahrenversicherung in Sachsen sensibilisieren. Gerade vor dem Hintergrund einer zunehmenden Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber unserer heimischen Landwirtschaft ist eine Unterstützung durch den Freistaat Sachsen dringend geboten. Gern können Sie sich auch persönlich bei betroffenen Landwirten von der aktuellen Situation überzeugen.

Selbstverständlich stehe ich Ihnen auch für ein Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Torsten Krawczyk
Präsident

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