21.04.2020

Schreiben von Präsident Krawczyk an die Vorsitzende des Agrarausschusses im Sächsischen Landtag zum Milchmarkt

Sachsen Milcherzeuger brauchen in der Corona-Krise zusätzliche Unterstützung

Sehr geehrte Frau Springer,

die derzeitige Situation am Milchmarkt aufgrund der Corona-Pandemie stellt die sächsischen Milcherzeuger erneut vor große Herausforderungen. Der Markt ist geprägt von Preisverwerfungen aufgrund von Logistikproblemen und Nachfrageverschiebungen. Vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich sind Absatzrückgänge festzustellen. Demgegenüber ist die Nachfrage nach Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) stark angestiegen. Damit einher geht eine unterschiedliche Betroffenheit der verarbeitenden Unternehmen ja nach Produktportfolio und Absatzkanal.

Große Sorge bereiten uns die nicht abfließenden Exportmengen. Diese Mengenüberschüsse drängen nun auf den deutschen Markt und setzen die Milchpreise zunehmend unter Druck.

Zudem ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Milchprodukten im LEH mittelfristig hinter der nachgefragten Menge vor der Corona-Pandemie zurückbleibt, weil die Verbraucher die auf Vorrat gekauften Mengen erst einmal konsumieren.

Die von den sächsischen Milcherzeugern analysierten Marktentwicklungen bzw. –einschätzungen werden mittelfristig ihre negative Wirkung auf den Milchpreis entfalten. Deshalb ist es von enormer Bedeutung schnellstmöglich Maßnahmen zu etablieren, um den Milchmarkt zu entlasten. Vor diesem Hintergrund bitten wir die Landes- sowie die Bundesregierung sich dafür einzusetzen, dass Milchviehbetriebe Instrumente zur Marktentlastung umgehend nutzen können.

Wir begrüßen ausdrücklich den Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zur Öffnung der Privaten Lagerhaltung von Butter, Käse und Magermilchpulver. Dies muss nun umgehend von der EUKommission beschlossen werden. Neben den in der Gemeinsamen Marktordnung definierten Marktstützungsinstrumenten sind jedoch weitere Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität in unseren landwirtschaftlichen Unternehmen notwendig.

Dazu gehört in erster Linie ein Liquiditätshilfeprogramm mit nennenswerten Zuschüssen für alle Landwirtschaftsbetriebe. Es ist davon auszugehen, dass die angespannte Erlössituation in den meisten Milchviehbetrieben auch nach der Corona-Krise einige Zeit anhält. Zum einen braucht es eine gewisse Zeit, bis die Logistik für den Export von Milchprodukten wieder reibungslos funktioniert und zum andern wird der Absatz über den LEH zurückgehen, wie bereits beschrieben. Zudem ist es sehr verwunderlich, dass die Konditionen des „Soforthilfe-Darlehens SMEKUL“ denen des Darlehens „Sachsen hilft sofort“ des SMWA sowohl bei den tilgungsfreien Jahren als auch beim Zinssatz nachsteht. Darüber hinaus ist ein Teilerlass analog der gewerblichen Wirtschaft derzeit nicht vorgesehen.

Ergänzt um ein Ausstiegsprogramm analog der RL SMP/2017 könnten kurzfristig gewisse Milchmengen vom Markt genommen werden. Wird mit diesem Programm auch keine nennenswert Milchmengenreduktion verzeichnet, so kann ein Aufruf zur Teilnahme an einem solchen Programm einen positiven Effekt auf den Milchauszahlungspreis haben. Ein Rückgang der Milchmenge reduziert vor allem das Spotmilchangebot und hat eine positive Wirkung auf den Preis. Vor diesem Hintergrund ist es den Molkereien wichtig, einen Großteil der Milchmenge von ihren vertraglich gebundenen Lieferanten zu bekommen. Der Spotmilchpreis besitzt eine viel größere Volatilität und ist somit weniger berechenbar.

Sehr geehrte Frau Springer,

ich bitte Sie, folgende Maßnahmen dem Ausschuss für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft sowie der Landesregierung zur Sicherung der Liquidität unserer Milchviehhalter vorzuschlagen:

1. Nachbesserung des Liquiditätshilfeprogramm „Soforthilfe-Darlehens SMEKUL“ mit einem nennenswerten Zuschuss für alle Landwirtschaftsbetriebe, welches konditionell dem der gewerblichen Wirtschaft nicht nachsteht, (Anlage Synopse) sowie

2. Etablierung eines Ausstiegsprogrammes analog der RL SMP/2017 (Anlage)

Dankend für Ihre Unterstützung verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Torsten Krawczyk
Präsident

Brief vom 20. April 2020

DBV - aktuelle Meldungen

20.01.2022
Landwirtschaft und Naturschutz – Zukunft gemeinsam gestalten
DNR und DBV laden zu digitalem Forum im Rahmen der Grünen Woche 2022 ein

20.01.2022
Wandel und Umbau brauchen wirtschaftliche Perspektive
Bauernpräsident bei der Pressekonferenz „IGW Spotlights“

19.01.2022
Verursacherprinzip im Gewässerschutz nicht aufgeben
DBV-Generalsekretär wendet sich an Agrarministerien vor Amtschefkonferenz

18.01.2022
Schutz von Klima & Artenvielfalt nur mit der Landwirtschaft
Bauernpräsident Rukwied beim Agrarpolitischen Jahresauftakt anlässlich der „IGW Spotlights“

17.01.2022
Internationale Arbeitserfahrung in Uganda sammeln!
Schorlemer Stiftung sucht Interessenten für Praktikum aus den Bereichen Landwirtschaft, Gartenbau und Weinbau

14.01.2022
Bauernverband zur ersten Regierungserklärung von Minister Özdemir
Rukwied: Vielfältige Agrarstruktur in Deutschland absichern

11.01.2022
Agrarpolitischer Jahresauftakt des DBV
Bauernverband lädt zum traditionellen Austausch über Agrarpolitik ein

01.01.2022
Neujahrsgruß 2022
Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende.

22.12.2021
DBV-Marktbericht 2021
Nach wie vor eine herausfordernde wirtschaftliche Situation

21.12.2021
Gesetzliche Änderungen zum Jahreswechsel 2021/22
Eine Übersicht über die Änderungen für die Landwirtschaft

17.12.2021
Bundesrat besiegelt Fehlstart bei den Eco-Schemes
DBV-Generalsekretär Krüsken zum Beschluss über nationale GAP-Verordnungen