14.04.2020

PM: Steuert der Milchmarkt in eine Krise? Zunehmender Preisdruck auf Molkereien

Aufgrund der sich durch die Corona-Pandemie zuspitzenden wirtschaftlichen Lage hat der Sächsische Landesbauernverband e.V. (SLB) gemeinsam mit den sächsischen Milcherzeugergemeinschaften (MEGs) und Molkereigenossenschaften die Entwicklung am Milchmarkt analysiert.

Die enormen Verschiebungen von der Gastronomie zum Einzelhandel und die wegbrechenden Exportmöglichkeiten innerhalb Europas, aber auch weltweit, führen einerseits zu einem Milchmengenüberschuss sowie zu erheblichen Absatzschwierigkeiten. Andererseits gibt es eine rege Nachfrage bei Milch und veredelten Milchprodukten am Inlandsmarkt. "Der Lebensmitteleinzelhandel nutzt dieses stark differenzierte Marktgeschehen gegenwärtig schamlos aus. Ein massiver Preisdruck in den derzeit laufenden Verhandlungen zu Frischeprodukten mit den Molkereien ist das Ergebnis", so der Präsident des SLB Torsten Krawczyk.

Diese Situation führt derzeit zu einem enormen Preisverfall am Milchmarkt, während die Verbraucherpreise im Lebensmitteleinzelhandel wieder steigen. Kommt es nicht bald zu einer Entlastung des Milchmarktes durch ansteigende Exporte oder eine Drosselung der Milchproduktion, wird sich der Preisverfall noch deutlich verstärken. Ein zusätzlicher Preisdruck könnte dazu führen, dass einige Milcherzeuger ihre Kuhbestände ganz aufgeben.

Die Vorsitzenden der MEGs und des SLB sind sich einig, dass dies in der jetzigen Krisensituation ein fatales Signal wäre, da es gerade jetzt um die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln gehen muss. Ist die Produktionsmenge einmal zu stark reduziert, wird es weit über die Corona-Krise hinaus dauern, bis die Milcherzeugung in Sachsen wieder ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit erreichen wird.

Deshalb erwarten Sachsens Milcherzeuger für den Zeitraum der Corona-Pandemie seitens der Bundesregierung:

1. ein Liquiditätshilfeprogramm mit einem nennenswerten Zuschuss für alle Landwirtschaftsbetriebe und
2. ein zeitlich befristetes Programm zur Reduzierung der nicht abfließenden Exportmengen.

"Nur mit der Umsetzung dieser Maßnahmen kann es gelingen, auch in der Zeit nach der CoronaKrise unsere Bevölkerung mit Milch und Milchprodukten in gewohnt hochwertiger Qualität aus Deutschland und Sachsen zu versorgen", so Krawczyk abschließend.

Hintergrund:
Der Milchmarkt in der Corona-Krise ist geprägt von Preisverwerfungen aufgrund von Logistikproblemen und Nachfrageverschiebungen. Mittelfristig ist bei Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel kein Engpass zu erwarten. Die Molkereien produzieren ausreichend.

Der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie in vielen Ländern der Welt stellt jedoch auch die Logistikbranche vor große Herausforderungen. Warenlieferungen werden in den Häfen zeitverzögert abgefertigt. Auch die Nachfrage der Großkunden in Deutschland und im innereuropäischen Ausland ist stark zurückgegangen oder sogar ganz zum Erliegen gekommen.

Die beschriebene Situation macht deutlich, dass die Molkereien je nach Produktportfolio unterschiedlich von der Krise betroffen sind. Für den Export oder für Großabnehmer produzierende Unternehmen haben Probleme ihre Produkte abzusetzen. Demgegenüber haben einige Molkereien Mühe genügend Rohstoff zu verarbeiten bzw. stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, aufgrund der abrupt gestiegenen Nachfrage nach Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel. Dies hat aber nichts mit einem Engpass bei Milchprodukten zu tun, sondern ist die Folge erhöhter Nachfrage durch die Verbraucher während der Corona-Krise. Diese übersteigerte Vorratshaltung lässt inzwischen merklich nach.


Pressekontakt:
Diana Henke
Telefon: 0351 262536-0
E-Mail: diana.henke@slb-dresden.de


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