06.11.2015

Gewässerschutz und Pflanzenschutz im Einklang

Letzte Woche nahm Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt Stellung zu einer Kleinen Anfrage des Abgeordneten Wolfram Günther, Fraktion BUNDNIS 90/DIE GRÜNEN, den dieser an den Präsidenten des Landtages gestellt hatte.
Darin führt nach Ansicht des Sächsischen Landesbauernverbandes der Staatsminister schlüssig auf, wie sich die Wasserqualität von Seen und Flüssen in den letzten Jahren deutlich verbessert hat und wer dabei seinen vorrangigen Beitrag leistet. Wolfram Günther sah dem gegenüber als wichtigste Ursache für die anhaltende Gewässerbelastung den Pflanzenschutzeinsatz in der Landwirtschaft sowie die Einleitung von Klärwasser und Industriechemikalien. Er forderte daher u.a., dass der Freistaat den biologischen Ackerbau stärker fördern solle.
Fakt ist, dass die Landwirte in Sachsen vom Freistaat unterstützt werden, wenn sie Bewirtschaftungsformen wählen, die Stoffeinträge in Gewässer vermindern oder vermeiden. Allein 2014 erhielten sächsische Landwirte nach Auskunft des SMUL rund 38 Millionen Euro Fördermittel. Fakt ist aber auch, dass die strengen Vorgaben der EU in Bezug auf den Gewässerschutz einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. D.h. jeder einzelne der zahlreichen chemischen und ökologischen Parameter muss mindestens mit gut bewertet werden, erst dann gilt der Zustand des Gewässers als insgesamt gut. So führt beispielsweise die neue Umweltqualitätsnorm für Quecksilber dazu, dass für kein einziges deutsches Oberflächengewässer der Zustand „gut“ erreicht wird. Quecksilber ist aber keine Substanz, die von Landwirten in den Boden über Pflanzenschutzmittel eingebracht wird oder das Eindringen durch den ökologischen Landbau verhindert werden kann.

Bei der Umsetzung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) wurde im Freistaat Sachsen ein kooperativer Ansatz für den Gewässerschutz gewählt. In der praktischen Umsetzung sieht dies wie folgt aus: Für den gesamten Freistaat Sachsen wurden prioritäre Gebiete ausgewiesen, in denen aufgrund der Gewässeranalysen hohe Nährstoffbelastungen im Grund- und Oberflächenwasserkörper festgestellt, Schwerpunktaufgaben diskutiert und in die Praxis überführt würden. In den entsprechenden Arbeitsgruppen, die hierzu in diesen Gebieten gebildet sind, arbeiten Landwirte, Berater und wissenschaftliche Einrichtungen bei der Suche nach Lösungen eng zusammen. Einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Weiterbildung leistet hierbei auch der „Verein zur konservierenden Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen“ e.V. Durch die Auswahl von geeigneten acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen und die entsprechende Anpassung an die standörtlichen Verhältnisse lassen sich nachweisbare Verbesserungen im Hinblick auf die Gewässerqualität erreichen. Gemeinsam erarbeiten die Partner Empfehlungen, mit denen sich die individuellen, betrieblichen Optimierungspotenziale hinsichtlich Effizienz des eingesetzten Stickstoffs und des Erosionsschutzes besser ausschöpfen lassen. Um die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen unter konkreten praktischen Bedingungen darzustellen, werden gemeinsam mit Landwirten in Demonstrationsvorhaben angelegt. Im Rahmen von Feldtagen und Landwirte-Stammtischen werden die Ergebnisse ausgewertet und konkrete Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit gezogen.
Durch die enge Verzahnung der Aktivitäten des „Verein konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen“ e.V. und dem SLB-Fachausschuss Getreide wird eine Multiplikation der Ergebnisse erreicht. Darüber hinaus werden die Ergebnisse den Landwirten im Rahmen von Feldtagen, Workshops im Bereich Düngung und Pflanzenschutz des LfULG, von Ingenieurbüros sowie über die einzelbetriebliche Beratung bekanntgegeben.
Fast 40 % der Landwirtschaftsfläche wird, so das SMUL, schon heute besonders gewässerschonend bewirtschaftet.
Auch im Bereich des Pflanzenschutzes haben die Landwirte viel unternommen, um die Aufwandmengen zu senken. Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland (für Sachsen liegen keine Zahlen vor) ist seit dem Jahr 2013 um 4 % auf 43.800 t Wirkstoff zurückgegangen. Insbesondere verringerte sich der Einsatz von Herbiziden um 10 %.
Der Berufsstand ist auch in die Erarbeitung der „JKI-Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz im Ackerbau“ integriert. Sie bilden die Grundlage für die gute landwirtschaftliche Praxis im Pflanzenschutz und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Gewässerschutz.

Der Berufsstand gibt auch in dem Punkt dem Staatsminister Recht, dass eine jahrhundertelange Übernutzung der Gewässer durch Industrie und Wirtschaft nicht über Nacht beseitigt werden kann. In wenigen Jahren ist ein guter Gesamtzustand erreicht worden, den es nun als Daueraufgabe Stück für Stück zu verbessern gilt. In den vergangenen 25 Jahren sind also im Bereich des Gewässerschutzes beachtliche Erfolge erreicht worden, die nicht von der Hand zu weisen und für jeden sichtbar sind. Dazu hat auch unsere Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag geleistet. Dies sollte Wolfram Günther zur Kenntnis nehmen.


DBV - aktuelle Meldungen